16.12.2020
Anlässlich der weltweiten Zunahme völkisch-nationaler, neu-rechter Politiken und Akteure sowie der steigenden Zahl rassistischer und rechter Gewalttaten veranstaltet das Gunda-Werner-Institut der Heinrich-Böll-Stiftung die Online-Fachgesprächsreihe "Wahre Männlichkeit?". In den Diskussionen wird ein Fokus auf Konstruktionen rechter Männlichkeitnormen gesetzt.
Weltweit ist ein Erstarken
national-völkischer, neu-rechter Politiken zu beobachten. Dieser
politische Megatrend bedient sich, wenn auch regional in ganz
unterschiedlicher Ausprägung, verschiedener z.T. rassifizierender
Zuschreibungen ethnischer, kultureller, nationaler, geschlechtlicher
oder religiöser Gruppenidentitäten. In der politischen
Auseinandersetzung wird von neu-rechten Akteur*innen eine Politik der
Ausgrenzung und Abwertung dieser als „Andere“ oder „fremd“ markierten
Gruppen forciert.
Mit den Wahlerfolgen der AfD ist - wenn auch im europäischen Vergleich verspätet - dieser Trend auch in Deutschland sichtbar geworden und stößt vor allem in gesellschaftlichen Debatten über Geschlecht und Männlichkeiten auf besondere Akzeptanz. Bisher als sicher geglaubte und als allgemein anerkannt angenommene Vorstellungen von Männlichkeit scheinen an Gültigkeit zu verlieren. Es entsteht der Wunsch, die als bedroht wahrgenommene geschlechtliche Gewissheit, z.B. „echte“ oder „wahre Männlichkeit“, wiederherzustellen.
In Deutschland lassen sich die Auswirkungen dieser Weltsicht z.B. an der steigenden Zahl von rassistischen und gewalttätigen Übergriffen auf alles was als nicht zugehörig gedeutet wird ablesen. Gemeinsam ist diesen Übergriffen, dass einerseits überwiegend Männer als Täter agieren und es sich andererseits bei den Angegriffenen um rassifizierte, migrantische und/oder marginalisierte Menschengruppen handelt, u.a. Schwarze, PoC, LGBTIQ-Personen, aber auch Frauen und Männer, die nicht dem traditionellen Bild von Weiblichkeit und Männlichkeit entsprechen.
Die Veranstaltungsreihe wird
verschiedene wissenschaftliche Erklärungsansätze für das weltweite
Erstarken rechts-nationaler Politiken diskutieren, die Auskunft geben
über Ursachen für die steigende Attraktivität und die
Konstruktionsmechanismen rechter Männlichkeiten.
Die Veranstaltungsreihe richtet sich an praxisnahe Akteur*innen, Fachkräfte und Multiplikator*innen, die mit Jungen* und Männern* arbeiten sowie an Menschen aus der Männlichkeits- und Geschlechterforschung sowie der Politik. Den Abschluss der Reihe stellt eine Tagung im Herbst 2021 dar, die die Erkenntnisse aus den Fachgesprächen aufnimmt und bündelt.
Zu allen weiteren Informationen, den Einzeltermine sowie zur Anmeldung kommt ihr hier.
Der nächste feste Termin ist am Mittwoch, den 27. Januar 2021, 16-18 Uhr:
#2 Die Wiederkehr des autoritären Charakters – Warum extrem rechte Weltanschauungen affektiv attraktiv wirken können - Mit Priv.-Doz. Dr. Sebastian Winter, Universität Hannover
Quelle: GWI